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Press Room - Radmarkt 5/2003

HP Velotechnik in the news: the following text is an excerpt from the German magazine Radmarkt, issue 75 (May 2003). We recommend to order the complete magazine from the publishing house to read the whole story.

Raus aus der Nische


Sesselrad, Scooterbike, Recumbent, Genuss- oder Komfortrad, Stadt- Liegerad, Sofabike oder Citycruiser... Ein feststehender Begriff hat sich noch nicht für die neue, pfiffige Radgattung etabliert, die große Potentiale in sich trägt. Sie lassen sich nur mittelfristig erschließen, die Aufbauarbeit steht aber jetzt an.

Wirklich neu ist dieser Radtyp nicht, macht er auch erst jüngst von sich reden. Bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts präsentierten mutige Bastler Lösungen, die von ihrer Grundidee durchaus mit den heutigen Typen vergleichbar sind. Anfang der 20er- Jahre brachte es Paul Haray, der Zeppelin- Konstrukteur und Erfinder der Stromlinienform für Autos, mit seinem "J- Rad" auf eine stolze Serie von 2.000 Sesselrädern. Das begehrte Modell musste leider wegen Materialproblemen eingestellt werden. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit wurde die Idee aufgegriffen, etwa mit dem Panther Jaguar. Diese Rad wurde kaum wahrgenommen, es war seiner Zeit einfach um ein paar Jahre voraus. Der eigentliche Durchbruch gelang dann 1998, als der ADFC das Flux V200 zum Fahrrad des Jahres wählte.
Was zeichnet ein Sesselrad aus? (Im Folgenden soll dieser Begriff bevorzugt werden, da er momentan am geläufigsten ist). Bei Sesselrädern ist das Tretlager hinter oder im Bereich des Vorderrades positioniert, sodass gutmütige Fahreigenschaften die Priorität vor agiler Wendigkeit haben.
Weitere Konstruktionsmerkmale ermöglichen entspannte Körperhaltung und bequeme Sitzposition. Der großflächige Sitz wird beim Aufsitzen durch den tiefen Durchstieg gut erreichbar. Er verteilt auch auf längeren Touren gut die Körperlast und beugt Druckstellen wirksam vor. Die Füße stehen dank der meist verwendeten 20-Zoll-Laufräder scher auf dem Boden und erreichen diesen auch schnell, wenn es erforderlich ist. Denn das Tretlager ist unterhalb der Sitzhöhe platziert. So ist je nach Feinabstimmung ein sehr sicheres, entspanntes Fahren oder bei höherem Tretlager auch eine sportliche Charakteristik zu erreichen. Der Körperwinkel, gemessen zwischen den Achsen Tretlager -Sitz - Rückenlehne, beeinflusst neben Körperhaltung und Kraftentfaltung vor allem die Übersichtlichkeit und das subjektive Sicherheitsgefühl. Die meisten Modelle verfügen über eine Hinterradfederung, die für Komfort sorgt und die Wirbelsäule schont. Hochwertige Räder sind zudem mit Vorderradfederung ausgestattet. Das macht das Befahren schlechter Wege erträglich, wenngleich die Geländetauglichkeit der Sesselräder sehr eingeschränkt ist. Verantwortlich dafür ist einerseits die unausgewogene Radlastverteilung: Der Großteil des Körpergewichtes und der Gepäckzuladung lastet auf dem Hinterrad. Andererseits sind Eigensteuertendenzen nicht durch Verlagern des Körpergewichts auszugleichen. Das ist auch der Grund für eine teils eingeschränkte Wendigkeit, da etwa Bordsteinkanten nicht in gewohnter Manier zu erklimmen sind.

Die Ansätze
Die Interpretation des Themas Sesselrad fällt bei jedem Hersteller etwas anders aus. So ist selbst innerhalb dieser relativ kleinen Nische eine deutliche Diversifizierung erkennbar. Das Equinox von Riese und Müller, eines der frühen Räder dieser Art, kann als gemütliches, besonders einsteigerfreundliches Sesselrad bezeichnet werden. Das Tretlager befindet sich nicht nur deutlich hinter dem Vorderrad, es ist auch weit unterhalb des Sitzes positioniert. Die Sitzposition ist sehr aufrecht und erinnert stark an die auf einem konventionellen Rad.
Ein sportlich orientiertes, ebenfalls für ausgedehntere Touren gut geeignetes Sesselrad ist das Spirit von HP Velotechnik. Hier ist das Tretlager viel höher und weiter vorne angeordnet als beim Equinox. Das erfordert eine lange, breite Rückenlehne, die schon echtes Liegeradfeeling aufkommen lässt. Bei Rädern dieser Macher ist der Gebrauch von Klickpedalen durchaus sinnvoll, sollen die Füße nicht kraftzehrend auf Position gehalten werden. Neben diesen beiden Beispielen, die die Bandbreite aufzeigen, bietet der Markt viele Zwischenvarianten. Und das ist auch gut so, denn so kann eine Vielzahl von Interessenten angesprochen werden.

Wer kauft ein Sesselrad?

"Der, der sonst nicht Rad fährt!", so die Antwort von Frank Malterm Marketing-Mann bei Cannondale Europa. nd er steht mit seiner Einschätzung nicht allein. Zwar sind es gerade auch Liegeradfahrer, die sich als Zweit- oder Drittrad noch ein Sesselrad für Kurzstrecken gönnen. Aber bei gesundheitsbewussten oder lifestyleorientierten Menschen, besonders bei der solventen 50-plus-Generation, schlummern weitaus größere Kundenpotenziale. Oft ist Rad fahren bei dieser Klientel aber nicht das Thema, der Kontakt zu Ihnen ist für den Fachhändler schwer zu knüpfen. Es gilt also, diese Schichten aktiv zu erschließen.

Was muß ich beim Verkauf von Sesselrädern beachten?

Vor der Probefahrt ist, wie bei jedem Fahrrad, eine korrekte Einstellung an den Testfahrer erforderlich. Bei Sesselrädern reicht ein Modell, da sie meist Körpergrößen zwischen 1,5 und 2 Metern abdecken. Besonders wichtig ist ein verkehrsfreier Platz, auf dem man möglichst unbeobachtet sein sollte. Denn die Befürchtung, sich vor Zuschauern zu blamieren, wenn es nicht auf Anhieb klappt, sollte nicht unterschätzt werden. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  • Zunächst im sicheren Stand mit gezogener Bremse die Fahrposition einnehmen und die Pedale in Startstellung bringen. Das heißt, das zu tretende Pedal muss etwa aus der Senkrechten heraus zum Fahrer hin gebracht werden, um bereits beim ersten Antreten einen möglichst langen Vortrieb zu haben.
  • Den Rücken fest aber unverkrampft gegen die Lehne drücken und einfach losfahren.
  • Gegenüber konventionellen Fahrrädern besteht beim Wenden und in engen Kurven häufig die Gefahr des Bein- oder Kniekontaktes mit dem Lenker. Deshalb auf diesen Punkt besonders hinweisen.
  • Hat sich der Kunde zum Kauf entschieden, darf ein wichtiger Hinweis nicht fehlen. Bei Sessel- wie auch bei Liegerädern werden andere Muskelpartien beansprucht als auf konventionellen Rädern. Das Training sollte allmählich gesteigert werden, um Überlastungen der untrainierten Muskeln, Sehnen und Bändern zu vermeiden. Die gewohnte Leistung ist erst nach einigen Monaten erreicht.
  • Manche Hersteller bieten den Händlern auch Hilfestellung, um ihre Produkte leichter in den Markt einzuführen. So werden von einigen Produzenten Rabatte auf Testräder gewährt. HP Velotechnik stellt für Aktionstage gegen Berechnung der Versandkosten Testräder zur Verfügung. Fragen Sie einfach bei Ihrem Lieferanten nach, oft sind unbürokratische Maßnahmen möglich.

Interview mit Dr. Zink:
Entzückter Rücken

RM: Herr Dr. Zink, Sie sind Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin sowie ärztlicher Leiter der Frankenpark-Klinik in Bad Kissingen. Da sie außerdem ausgebildeter Maschinenbauingenieur sind, haben Sie sich mit der Schnittstelle Mensch-Fahrrad auseinandergesetzt. Was waren Ihre Untersuchungsinhalte?
Zink: Meine Untersuchungen und Überlegungen zum Thema "Fahrrad" basieren auf der Praxis und meiner medizinischen und gleichzeitig technischen Ausbildung. Später habe ich noch biomechanische Untersuchungen zu Sitzpositionen auf unterschiedliche Fahrrad-Typen vorgenommen und deren Auswirkung auf die Rückenbelastung erfasst. Hierbei setze ich ein EDV-gestütztes Rückenvermssungs-System unserer Frankenpark-Klinik ein, die so genannte "Rückenmaus". Die Ergebnisse haben weitere Überlegungen zur Positionierung von Menschen auf Fahrrädern ausgelöst und waren Grundlage meiner letzten Vorträge zu Kontaktpunkten am Fahrrad.

RM: Das Equinox von Riese und Müller trägt ein Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR). Was sind Ihre Erfahrungen mit Rädern dieser Gattung? Wie schätzen Sie diese Räder als Mediziner ein?
Zink: Durch die zurückgeneigte Sitzposition auf Sesselrädern ergibt sich eine erheblich geringere axiale Belastung der unteren Lendenwirbelsäule; alse der Region, in der wir die größte Zahl an Bandscheibenschäden vorfinden. Als Orthopäde sehe ich in diesem Fahrrad-Typus eine wichtige Ergänzung zu den herkömmlichen Fahrrädern. Um mir selbst einen Überblick über die praktische Einsetzbarkeit und die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu verschaffen, werden wir in den nächsten Wochen in Zusammenarbeit mit einem Hersteller von Sesselrädern praktische Tests in unserer Klinik durchführen. Mit Ergebnissen hierzu kann voraussichtlich bis Mitte des Jahres gerechnet werden.

RM: Und wie ist Ihre Einschätzung im direkten Vergleich zu konventionellen Rädern?
Zink: Nach eienr Untersuchung von Willke zu Banscheibenbelastungen der unteren Lendenwirbelsäule (1996) erhäht sich die Banscheibenbelastung bei vorgneigtem Sitzen, das entspricht etwa der Sitzposition bei konventionellen Fahrrädern, auf etwa 175 Prozent im Vergleich zur Belastung beim Stehen. Da zurückgeneigte Sitzen mit Unterstützung führt hingegen zu einer Verringerung auf etwa 50 Prozent - auch wieder im Vergleich zum stehenden Menschen. Hingewiesen werden muss aber darauf, dass die Bandscheibenbelastung der Lendenwirbelsäule nur ein Kriterium bei der Beurteilung der geeigneten Sitzhaltung sein darf: die Auswirkung der Sitzhaltung auf die benachbarten Regionen wie Hüftgelenke, Kniegelenke, Brustwirbelsäule und nicht zuletzt Schulterpartie, darf nicht außer Acht gelassen werden.

RM: Zusammengefasst: Wo sehen Sie die Einsatzbereiche der neuen Radgattung? Wo sehen Sie die potenziellen Käuferschichten?
Zink: Sesselräder eignen sich aus meiner Sicht bedingt durch Radgröße und Rahmen vor allem für den Kurzstreckenverkehr und kleinere Touren. Bei sachgerechter Konstruktion können auch Menschen mit Lendenwirbelsäulen-Beschwerden die überaus positiven Wirkungen des Radfahrens für Herz, Kreislauf und Gelenke nutzen und von diesem Fahrrad-Typus profitieren. Vermutlich wegen der (noch) geringen Stückzahlen sind die Preise im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern relativ hoch. Hierdurch ergibt sich zwangsläufig eine gewisse Käuferselektion.

Interview: Jörg Kreinjobst

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Last changed: May 20, 2012