Pressespiegel – Frankfurter Rundschau, 30.04.2009

HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Ausriss aus der Frankfurter Rundschau, Ausgabe 30.04.2009. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Originalheft beim Verlag anzufordern.

 

Jedes Rad ein Unikat

Liegeradhersteller HP Velotechnik ist Marktführer in Europa / Wachstum trotz Krise

Von Andrea Rost

Kriftel. Fünf Minuten – mehr braucht es nicht, dann kommt jeder mit einem Liegerad klar.“ Paul Hollants sagt das mit dem Brustton der Überzeugung. Er weiß, wovon er spricht: Der Krifteler ist einer der beiden Gründer der Firma HP Velotechnik. Seit 16 Jahren produziert er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Daniel Pulvermüller Fahrräder der besonderen Art: Anders als auf einem herkömmlichen Drahtesel treten die Radler auf einem Liegerad in der Horizontalen in die Pedale. „Druckstellen am Po, schmerzende Handgelenke, einen steifen Nacken – das können Sie alles vergessen“, wirbt Hollants. „Mit dem Liegerad fahren ist Genussradeln. Man lehnt sich bequem zurück und genießt den Panoramablick anstatt für die Windschnittigkeit zu buckeln.“

Schrauben in der Garage

Als Paul Hollants zum ersten Mal an einem Fahrrad herumschraubte, war er 13. Zusammen mit seinem Klassenkameraden Daniel Pulvermüller absolvierte er ein Praktikum bei einem Fahrradgroßhändler in Hofheim – und war begeistert. Die Faszination der Drahtesel ließ die beiden Schüler nicht mehr los. In der Garage der Eltern konstruierten sie ihr eigenes Kabinenfahrrad. Das Gefährt, mit dem die beiden Jungs vor allem schnell und bequem zur Schule kommen wollten, gefiel den Juroren beim Wettbewerb Jutec des Vereins Deutscher Ingenieure so gut, dass die Krifteler damit 1991 Bundessieger wurden.

Zwei Jahre später gründeten sie die Liegeradmanufaktur HP Velotechnik. Pulvermüller studierte damals Maschinenbau in Darmstadt, Hollants wollte Wirtschaftsingenieur werden. „Wir hatten keinen Businessplan in der Tasche, aber jede Menge Ideen“, sagt er.

Mittlerweile hat Velotechnik sieben Liegerad-Modelle im Programm – vom Zweirad-Klassiker Street Machine bis zum faltbaren Trekking-Trike Scorpio, das es seit kurzem auch als voll gefedertes Tourenrad gibt. Mehr als 3000 Euro kostet ein Velotechnik-Liegerad im Durchschnitt, manches auch über 5000 Euro. Dafür bekommt der Kunde ein handgefertigtes Fahrzeug, bei dem er sämtliche Komponenten – von der Farbe der Lackierung bis zur Bremse – individuell wählen kann. Bei der Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten – bei der Street Machine sind es sage und schreibe 33 000 – ist damit garantiert jedes Fahrrad ein Unikat.

Konstruiert werden die Liegeräder von Daniel Pulvermüller und einem zweiten Entwicklungsingenieur. Die Rahmen baut eine thailändische Firma. In Usingen werden die Rohteile lackiert und pulverbeschichtet. Danach kümmern sich die Zweirad-Mechaniker in Kriftel um die Endmontage.

1300 Liegeräder haben 2008 die Werkshalle in der Elisabethenstraße verlassen. Velotechnik ist damit Marktführer in Europa. Kunden gibt es auch in den USA, in Asien und Neuseeland. „Von der Wirtschaftskrise spüren wir nichts“, sagt Paul Hollants. „Wir arbeiten in einem Nischensegment, da bleibt der Umsatz stabil.“

Die 17 Mitarbeiter – darunter vier Lehrlinge – sind auch in diesem Jahr gut ausgelastet. Im Herbst bieten Paul Hollants und Daniel Pulvermüller wieder zwei Ausbildungsplätze an. Die Lehre zum Zweiradmechaniker dauert dreieinhalb Jahre. Abiturienten brauchen nur zweieinhalb Jahre.

Bester deutscher Hersteller

Zum vierten Mal in Folge haben die Fahrradfachhändler jüngst der Krifteler Liegerad-Manufaktur ein exzellentes Zeugnis ausgestellt: Sie kürten HP Velotechnik wieder zum besten Fahrradhersteller in Deutschland. Neben dieser Urkunde zieren auch andere Preise das Büro der Firmengründer. Vor allem das Design ihrer Räder kommt gut an. Das Dreirad Scorpion erhielt dafür den Eurobike Award, und das faltbare Touren-Dreirad Scorpion fx war 2008 für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland nominiert.