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Pressespiegel - RadWelt 02/1997

Der folgende Text ist ein Ausriß aus der Zeitschrift RadWelt, Ausgabe 02/1997. Diesmal kein Text explizit über uns, aber es ist sicher interessant, was der ADFC als Liegeradinfo herausgibt. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Originalheft beim Verlag anzufordern.

Anmerkung: den Link am Ende des Artikels haben wir gegenüber dem Originalartikel aktualisiert.

ADFC-Infoclip Liegerad Seite 1 ADFC-Infoclip Liegerad Seite 2 ADFC-Infoclip Liegerad Seite 3

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
Info-Clip Liegeräder

Noch vor zehn Jahren waren Liegeräder Exoten im Straßenverkehr. Heute gibt es kaum jemanden, der noch nie ein Liegerad gesehen hat. Ein potentieller Käufer steht vor der Frage, welche grundsätzlichen Eigenschaften Liegeräder haben und wodurch sich die Bauformen unterscheiden. Dieser Info-Clip soll helfen, die vielfältigen Modelle einzuordnen.

Allgemeines

Oft gibt die Neugier den ersten Anstoß, sich für ein Liegerad zu interessieren. Wird das Interesse an solch einem Gefährt etwas konkreter, so stellen sich meist verschiedene Fragen: Wie fährt sich so ein Liegerad, wo kann man eine Probefahrt machen, und ist es für die eigenen Bedürfnisse überhaupt geeignet?

Wie es sich fährt, das kann man tatsächlich nur selbst "erfahren" An eine Probefahrt kommt man entweder über einen Bekannten mit Liegerad oder über einen geeigneten Fahrradladen. Eine Anfrage beim Human Powered Vehicles Deutschland e.V. oder der Besuch einer der vielen in den HPV-Nachrichten und vom ADFC angekündigten Liegeradtreffen kann auch weiterhelfen.

Aller Anfang ist... Gewöhnung

Manch einer ist nach den ersten paar Metern ernüchtert, weil seine Vorstellungen nicht erfüllt wurden. Das kann einmal daran liegen, daß das getestete Liegerad nicht auf die Abmessungen des Fahrers oder der Fahrerin angepaßt war. Oder daran, daß einen das neue Fahrgefühl verunsichert hat, welches viele Anfänger als "gewöhnungsbedürftig" bezeichnen: viele Menschen brauchen einige Dutzend Kilometer, bis sie sich auf dem ungewohnten Untersatz wohlfühlen. Wer sich dann ein Liegerad zulegen möchte, stellt einerseits schnell fest, daß die Zahl der in Deutschland erhältlichen Liegeradmodelle in die Dutzende geht und die Räder mit einem Preis ab etwa zweitausend Mark nicht billig sind. Andererseits gibt es nur wenige Fahrradläden, die einen so umfassend beraten können, daß man anschließend das Gefühl hat, das richtige Produkt gefunden zu haben.

Gute Gründe für ein Liegerad

Die Gründe, aus denen heraus sich jemand für ein Liegerad entscheidet, sind so verschieden wie das Aussehen der einzelnen Fahrzeuge.

Komfort: Der hohe Fahrkomfort macht Liegeräder zu hervorragenden Reiserädern. Der meist großflächige Sitz vermeidet Druckstellen und erinnert einen auch auf Fahrten über etliche Stunden oder auf mehrtägigen Reisen nicht dauernd an das eigene Hinterteil. Da der Fahrer auf rauher Fahrbahn nicht wie gewohnt "aus dem Sattel gehen" kann, ist eine Federung zumindest des stärker belasteten Rades sehr wichtig. Sie bringt einen erheblichen Komfortgewinn und schützt auch das Gepäck vor Stößen. Menschen mit Schulter-, Handgelenks- oder Rückenschmerzen beim Radfahren greifen gerne auf Liegeräder zurück und berichten von einer Besserung ihrer Beschwerden. In den letzten Monaten einer Schwangerschaft ist ein Liegerad für manche Frauen das einzig brauchbare Fahrrad überhaupt.

Sicherheit: Bei Unfällen bietet das Liegerad höhere Sicherheit, da bei einer Kollision der Fahrer nicht mit dem Kopf voraus auf das Hindernis stößt. Die Bauweise der längeren Liegeräder verhindert zudem ein Überschlagen des Rades bei einer Vollbremsung. Und: Wer vom Liegerad fällt, fällt nicht tief und zumeist auf den Hintern. Weiterer Vorteil: Da die Augen des Fahrers auf ähnlicher Höhe sind wie die eines Autofahrers, können Liegeradfahrer eher Blickkontakt mit Autofahrern aufnehmen. Bei den weniger wendigen Modellen nimmt der Liegeradfahrer ganz von selbst einen ruhigeren, defensiveren Fahrstil an.

Wetterfestigkeit: Mit einem Wetterschutz lassen sich Liegeräder eher versehen als die üblichen Räder, da sie flacher gebaut sind und man nicht riskiert, von einer Seitenwindböe umgeblasen zu werden. Bei Regenschutzverkleidungen handelt es sich meist um zusammenlegbare Textilverkleidungen oder um Frontverkleidungen aus Glasfaserverbundwerkstoffen. Vollverkleidungen bieten den perfekten Wetterschutz, sind aber noch einmal so teuer wie das ganze Rad. Bei den Dreirädern gibt es einige Modelle mit Vollverkleidung, die sich im Alltag bewährt haben und ihren stolzen Preis wert sind.

Aerodynamik: Liegeradler haben eine kleinere Frontfläche als andere Radler und damit einen geringeren Luftwiderstand. Große aerodynamische Vorteile gegenüber Rennrädern ergeben sich aber erst mit einer aerodynamischen Teil- oder Vollverkleidung. Immerhin führen Liegeräder auf vielen Strecken die Liste der Weltrekorde an, was für sportliche Fahrer sicher den Reiz eines solchen Rades erhöht.

Liegeräder sind jedoch keine "Mountainbikes" Ein Hochreißen des Vorderrades, um beispielsweise einen Bordstein zu überfahren, ist bei den meisten Modellen nicht möglich. Für Leute mit einem sehr unruhigen Fahrstil sind Liegeräder nicht die beste Wahl.

Typen von Liegerädern

Als erstes Merkmal, um Liegeräder in verschiedene Grundtypen einzuteilen, dient meist die Anordnung des Tretlagers in Bezug auf das Vorderrad.

Langlieger: Liegt das Vorderrad deutlich vor dem Tretlager, so spricht man von einem "Langlieger" Das Tretlager liegt bei diesem Fahrzeugtyp etwa in der gleichen Höhe wie bei Normalrädern und damit bis zu 30 cm unter der Sitzfläche. Diese Anordnung führt zu einer eher aufrechten Sitzhaltung und war bis Anfang der 90er Jahre die am weitesten verbreitete Bauart. Die ersten Fahrversuche werden meist als einfach empfunden. Der lange Radstand führt zu einem entsprechend höheren Gewicht, was sich allerdings nur in hügeligen Gegenden bemerkbar macht. Trotz der Länge des Rades reicht die Wendigkeit im Straßenverkehr völlig aus.

Kurzlieger: Wer auf ein sportliches Lenkverhalten Wert legt, ist mit einem "Kurzlieger" besser bedient. Bei ihm stellt das Tretlager den vordersten Punkt des ganzen Rades dar. Das Tretlager liegt hier in einer Höhe mit der Sitzfläche oder etwas darüber, damit die Pedale beim Lenken nicht mit dem Vorderrad ins Gehege kommen. Liegt das Tretlager deutlich über dem Sitz, werden die Füße nicht mehr wie beim normalen Rad durch das Gewicht der Beine auf die Pedale gedrückt, was zu Ermüdungserscheinungen führen kann. Manche Fahrer bevorzugen daher Klickpedale. Beim Anfahren macht Anfängern die große Tretlagerhöhe oft etwas größere Schwierigkeiten. Kurzlieger sind aufgrund der kompakten Bauweise oft leichter und wendiger. Beim "Rangieren" muß man sich erst an das ausschwenkende Tretlager gewöhnen. Die flachere Sitzposition ist für Neulinge ungewohnt, wird aber von langjährigen Fahrern als angenehm empfunden. Kurzlieger verdrängen seit einigen Jahren die Langlieger und werden wegen ihrer kleineren Frontfläche gerne auch im sportlichen Bereich eingesetzt.

Knicklenker: Liegeräder, bei denen zum Lenken nicht nur die Vorderradgabel gedreht wird, sondern das gesamte Vorderteil des Rahmens mitschwenkt, werden als "Knicklenker" bezeichnet. Der Antrieb wirkt dabei auf das Vorderrad, das Tretlager liegt ganz vorne. Die Verbindung von kurzem Radstand und Knicklenkung bietet ein extrem wendiges und dadurch stadttaugliches Rad, das zur Not zu Transportzwecken klein zerlegt werden kann. Der Nachteil dieser Bauform liegt in der langen Eingewöhnungszeit. Wer ein solches Rad ausprobiert, muß damit rechnen, erst nach einigen Stunden intensiven Bemühens über längere Strecken geradeaus fahren zu können. Von geübten Fahrern läßt sich ein Knicklenker auch freihändig fahren, da die Füße mitsteuern.

Tieflieger: "Tieflieger" sind erst in den letzten Jahren bei Rennen aufgetaucht. Es sind Fahrzeuge mit einer Sitzhöhe von unter 40 cm, die eine deutlich kleinere Gesamtfrontfläche haben als andere Liegeräder, da der Fahrer zwischen Vorder- und Hinterrad liegt. Das Tretlager ist, wie bei den Kurzliegern, der vorderste Teil des Rades und liegt weit über dem Sitz. Der Rahmen windet sich meist Z-förmig zwischen den Rädern und dem Fahrer hindurch. Die geringe Augenhöhe des Fahrers und die niedrige Bauform schränken den Gebrauch im Straßenverkehr stark ein.

Besonderes: Tandems und Dreiräder

Mach' 3: Dreiräder haben beim Beladen oder an Ampeln den Vorteil, nicht umzukippen. Zudem sind sie mit Verkleidung kaum seitenwindempfindlich und verfügen häufig Über viel Stauraum. Dafür sind sie schwerer, haben drei Spuren, was sich beim Überfahren von Schlaglöchern störend bemerkbar macht, und sind durch ihre Breite beim Durchfahren von Absperrungen oder beim Tragen über Treppen unhandlicher.

Doppellieger: Bei den Liegeradtandems gibt es eine Vielzahl von Bauweisen. Bei einigen Modellen sitzen beide Fahrerinnen oder Fahrer in Liegeradposition in Fahrtrichtung, bei anderen sitzt der hintere Fahrer auf einem "normalen" Rad, während es sich der Vordermann oder die Vorderfrau auf einem Liegeradsitz bequem macht. Darüber hinaus gibt es Anfertigungen, bei denen der Hintermann gegen die Fahrtrichtung sitzt und dadurch gute Sicht nach hinten genießt. In dieser Position ist eine Unterhaltung zwischen beiden Fahrern einfacher, da die Köpfe dicht beieinander sind.

Transportliegeräder: Weniger bekannt sind Transportliegeräder zur Beförderung sperriger Güter oder großer Lasten.

Falter: Faltliegeräder, die sich schnell auf ein kleines Packmaß falten lassen, sind noch in der Entwicklungsphase.

Hecklenker: Liegeräder, bei denen das Hinterrad gelenkt wird, werden Hecklenker genannt. Sie sind bestechend kompakt, existieren aber wegen der technisch anspruchsvollen Lenkung nur in wenigen Ausführungen.

Grundwissen: Lenker, Sitze

Bei vielen der genannten Grundtypen gibt es jeweils Varianten mit "Lenker oben" und solche, bei denen der Lenker unter dem Sitz angeordnet ist. Vom Normalrad kommend, ist der obenliegende Lenker anfangs vertrauter. Ein untenliegender Lenker ist auf längeren Strecken angenehmer.

Liegeradsitze bestehen entweder aus schaumgummigepolsterten Glasfaserschalen oder aus einem Rohrrahmen mit gespannten Gurten. Wer eine vom Normalmaß deutlich abweichende Rückenlänge hat, muß darauf achten, ob ihm der Schalensitz auch paßt. Die Belüftung des Rückens ist bei den Gurtsitzen besser als bei den Schalensitzen und im Sommer deutlich angenehmer. Schalensitze werden eher bei sportlichen Rädern eingesetzt.

Vor dem Kauf..

Vor dem Kauf eines Liegerades sollte der Interessent zusätzlich zu den üblichen beim Radkauf wichtigen Punkten folgendes beachten:

  • Da die ungewohnten Fahreigenschaften erst nach einer Tagestour eingeschätzt werden können, ist ein Ausleihen des Wunschrades über ein Wochenende angeraten. Die Leihgebühr sollte beim Kauf des Rades angerechnet werden. Eine Testfahrt vor dem Radladen reicht nicht aus!
  • Ist die Sitzposition so weit verstellbar, daß sie für alle geplanten Radbenutzer ausreicht?
  • Sind Lenker und Bremsen gut zu erreichen?
  • Bei Leuten mit kurzen Beinen: Ist der Boden im Sitzen mit den Füßen erreichbar, oder muß man dazu vom Sitz rutschen?
  • Sollen auch schlechtere Wege gefahren werden, ist eine Federung sehr sinnvoll.
Literatur

  • "Encycleopedia", Übersicht über Fahrradalternativen, 35,- DM + 8.- DM Porto, Bezug über KGB, Dorinerschweerstraße 45, 26123 Oldenburg
  • "Das Liegerad", Gunnar Fehlau, Moby Dick Verlag, 44,- DM
  • "Liegerad-Datei", Übersicht über kommerziell erhältliche Liegeräder, 7,- DM + 3,- DM Porto, Bezug über A. Pooch, Römerstraße 44, (...) Troisdorf
Adressen

  • "Human Powered Vehicles Deutschland e.V.", Postfach 2004, 91010 Erlangen
Internet

Text: Arndt Last

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Letzte Änderung: 20.05.2012