Pressespiegel – Trekkingbike 2017-03

HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Auszug aus der Zeitschrift Trekkingbike, Ausgabe 3/2017. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Originalheft beim Verlag anzufordern.

Perspektivenwechsel

Als Touren-Trike legt das Scorpion fs 26 seinem Fahrer die Welt zu Füßen: Die Aussicht im Rad ist ein 180°-Panorama in Farbe. Doch auch sonst hält das ungewöhnliche Radkonzept Überraschungen parat.

Ist das ein Ausblick! Die volle Breitseite, freies Gesichtsfeld von links bis rechts auf einem Fahrrad; das ist speziell. Die Welt wird plötzlich riesengroß. Ungefähr aus der Perspektive eines Dreijährigen – oder, für Kinderlose: einer Dogge – blickt der Trike-Fahrer seiner Umwelt entgegen. Andere Radler, Fußgänger und Autofah­rer inbegriffen. Schnell merkt man dann: Die City ist nicht das richtige Revier. Schmale, gewundene Landstraßen, gute Wald- und Wiesenwege, Überland-Rad­wege: Da läuft es störungsfrei und das Dreirad-Fahren wird zum Genuss. Durch die tiefe Go-Kart-Sitzposition zwischen den Rädern greifen die Querbeschleuni­gungskräfte in Kurven voll, unwillkürlich spannt sich der Körper stärker zwischen Pedal und Sitzschale.

Bei entsprechendem Speed kann man zusehen, wie das kurven­äußere Vorderrad in die Federung taucht, das innere sich im Extrem von der Fahr­bahn hebt. Wilde Fahrmanöver sind mög­lich, da der Scorpion extrem satt auf der Straße liegt. Sein langer Hinterbau und die aufwändig gebaute Vorderachse machen Lenkung und Fahrt weitgehend laufru­hig. Ausnahme: Die Sitzposition erfordert schnelles Pedalieren mit hoher Kadenz. Dabei tendieren Schulter und Arme des Fahrers zum Gegenpendeln. Liegen die Hände nur locker am Lenker, überträgt sich dies auf die Vorderräder, die dann leicht unruhig mitkurven. überhaupt er­fordert das Trike eine Eingewöhnung vom Fahrer: Man tritt nach vorn und nicht wie üblich nach unten, das Körpergewicht wird aus der Bewegung genommen. Im Sitz fühlt sich das äußerst bequem an. Doch das Pedalieren mit gehobenen Bei­nen beansprucht Muskeln und Halteap­parat anders als gewohnt: Vier bis sechs Wochen etwa, dann sollte sich der Körper völlig auf die veränderte Belastung eingewöhnt haben. Haupt­sächlich auf die Gesäßmuskeln soll diese Art zu treten einen intensiven Trainingsreiz ausüben, sagt Presse­ mann Alex Kraft mit leichtem Schmunzeln.

Fehlt nur noch der Rückwärts­gang! Fahrdynamik und Fahr­gefühl auf drei Rädern treiben den Adrenalinspiegel hoch.

Die Lenkergriffe stehen senkrecht und kommen von unten; so hat man Schaltdrehgriffe und Bremshebel der beiden Vorderräder ergonomisch angenehm in der Hand. Hinten braucht’s keine Bremse, da der Schub über die Vorderräder vollständig und effektiv per Me­chanik-Discs abgefangen wird. Intuitiv greift man bei­de Hebel gleich stark. Auch eine Feststellbremse gegen Wegrollen ist hier integriert. Die Federbeine vorn so­ wie der Stahlfeder-Dämpfer der Eingelenk-Schwinge am Hinterbau lassen sich per Vorspannung auf das Fahrergewicht abstimmen. Dann filtert das hervor­ragende Fahrwerk zuverlässig alle Fahrbahnrumpler aus. Die Reisegeschwindigkeit fühlt sich durch die veränderte Perspektive und Schwerpunktlage rasan­ter an als auf dem Normalrad, dürfte jedoch nicht allzu viel über der gewohnten Marke liegen, wie Ver­gleichsfahrten gezeigt haben.

Das größte Potenzial des Scorpion liegt also in autofreien Pendlerstrecken oder genussvollen Langtreckentouren, gerne mit Reisegepäck. Zwei übliche Ortlieb Backroller hängen direkt hinter dem Schalensitz im Windschatten und beein­flussen das Fahrverhalten außerordentlich wenig. Die negativen Einflüsse hoher Zuladung sind nirgends so niedrig wie an diesem Trike. Zudem ist der Träger so montiert, dass er mitgefedert wird. Bei einem Blind­test bemerkte ein Testfahrer die zunächst vorhandene Zuladung von 22 Kilo sogar erst, nachdem sie abgenommen war. Wer ein Trike sein eigen nennt, benö tigt jedoch ebenerdige Stellfläche: Zwar lässt sich das Scorpion fs mit wenigen Handgriffen teilzerlegen und der Rahmen falten; Auto- oder Bahntransport ist so durchaus machbar. Doch fürs tägliche Ein- und Aus­parken ist genügend Platz erforderlich. Rangieren geht in der Praxis relativ einfach, solange das in der Ebene passiert: Man kann sich meist an einem festen Gegenstand einige Zentimeter rückwärts abstoßen, um in drei Zügen auf engem Raum zu wenden.

Fazit

Trike fahren macht Spaß! Dynamik und Kurvenfreudigkeit des Tieffliegers sind überwältigend. Nacheiniger Zeit kör­perlicher Eingewöhnung machen lange, verkehrsfreie oder -arme Strecken ohne viele Höhenmeter, dafür aber gern mit Gepäck, am meisten Sinn. In die Stadt gehört das Trlke nicht: Fahrbare Geschwindigkeit und Platzbedarf sind zu groß, die Sichtbarkeit im dichten Verkehr zu gering.

HP Velotechnik Scorpion fs 26: Sehr gut