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Pressespiegel - RZ-Online vom 24.03.1999

HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Ausriß aus dem Online-Magazin der Rhein-Zeitung vom 24.03.99. Wir empfehlen, das Original aus dem RZ-Online Archiv zu lesen. Um den Text zu archivieren, haben wir ihn hier nochmal wiedergegeben.

Horizontal durch den Straßenverkehr

Am liebsten im Liegen

"Nur fliegen ist schöner", so bejubeln die Enthusiasten das Radeln im Liegen. Nach den ersten Metern einer Probefahrt ist der Eindruck allerdings eher "ziemlich wackelig".

Wavey im SonnenuntergangLiegeräder stellen andere Anforderungen an den Gleichgewichtsinn als "normale" Räder. Dennoch - oder gerade deshalb - waren sie der Hit auf den Branchenmessen des vergangenen Jahres. Für dieses Frühjahr, mit Beginn der Fahrradsaison, erwarten die Hersteller den großen Durchbruch des eigenwilligen Fortbewegungsmittels.

"Liegeräder sind komfortabler und eleganter", meinen Fans der Spezialräder. Die horizontale Lage sei für den Fahrer eine deutlich entspanntere Position, als vornübergebeugt auf dem Sattel eines herkömmlichen Rades zu sitzen. Auch gebe es einen Sicherheitsgewinn: "Bei einer Vollbremsung kann man nicht über den Lenker stürzen." Stets ist man außerdem auf Augenhöhe mit den Autofahrern.

200 Kilometer am Tag? Kein Problem!

Das Sitzgefühl ist wie auf dem Sofa zu Hause, keine Nackenverspannungen, keine Handgelenkprobleme. Auch für Menschen mit Bandscheiben- Schäden ist ein stoßgedämpftes Liegerad ein geeigneteres Sportgerät.

Die Qualitäten der Räder zeigen sich besonders auf der Langstrecke: Tagesfahrleistungen von 150 bis 200 Kilometern sind durchaus möglich. Die staunende Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer ist dem Liegeradler sowieso sicher.

Wavey am MarktVorwiegend Männer zwischen 25 und 50 Jahren haben sich bislang für die alternative Form des Radelns interessiert. Sie sind eher bereit, für ein neues "Spielzeug" in die Tasche zu greifen, mutmaßen die Hersteller. Zwischen 2 300 und 3 700 Mark muß man immerhin für ein Basismodell rechnen, je nach Ausstattung steigt der Preis auf 8 000 Mark.

Sie waren schon immer schneller...

Liegefahrräder gibt es schon so lange wie die heute üblichen Sporträder. Firmen wie Peugeot oder Charles Mochet bauten sie bereits um die Jahrhundertwende mit gutem Erfolg. Insider machen den Weltradsportverband (UCI) dafür verantwortlich, daß die flache Variante wieder von den Straßen verschwand: Mit einem Werkstück aus dem Haus Mochet fuhr der Franzose Francis Foure im Sommer 1933 dem amtierenden Weltmeister auf dem Normalrad davon. Der verblüffte Sportverband entschied, daß es so nicht gehen könne und schloß Liegeräder von allen künftigen Wettkämpfen wegen zu hoher Geschwindigkeit aus. Für die Fortentwicklung des Gefährts war das fatal.

Wiederentdeckung in Amerika

Erst in den 70er Jahren wurde das Liegefahrrad wiederentdeckt - zuerst in Amerika. Der technische Fortschritt, der weichere Federungen, leichtere Rahmen und bessere Schaltsysteme ermöglicht hat, machte den Außenseiter wieder interessant. Harte Schläge in den Rücken bei Fahrten auf schlechten Straßen sind heute kein Thema mehr. Die Szene ist sehr innovativ, neue Materialien und Techniken werden schnell aufgegriffen und weiterentwickelt. Es gibt bereits voll gefederte Liegeräder in Serie.

Dreirad on tourDie Modell-Palette ist mittelweile fast so groß wie beim gewöhnlichen Velo. Es gibt Tieflieger für sportliche Höchstleistungen, Langlieger für Überland-Touren und Citylieger mit Gepäckträger und montiertem Korb für die Fahrt zum Einkaufszentrum. Und nicht auf jedem Liegerad muß man liegen: Der Scooter zum Beispiel wird mit fast aufrechter Haltung gefahren, die Beine sind aber auch hier entspannt nach vorne gestreckt. Wer mit der Balance nicht klarkommt, dem empfiehlt sich ein Liegedreirad - recht schnittig ist diese stabilere Version immer noch.

Spielzeug für Techniker und Designer

Für Designer ist das Liegerad zum phantasieanregenden Spielobjekt geworden. Sie bauen es mal mit, mal ohne aerodynamische Vollverkleidung, konstruieren Frontscheiben, damit die Hose trocken bleibt, setzen die Tretkurbel über, vor oder hinter das Vorderrad.

Die Entdeckung durch die radelnde Masse wird in diesem Frühjahr folgen, sind sich Fans und Hersteller sicher und erzählen was vom "Mona-Lisa-Effekt", der noch bei allen nach einer kurzen Zeit der Eingewöhnung zu beobachten sei: "Sie sollten mal das Lächeln sehen nach der ersten halben Stunde auf einem Liegerad."

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Letzte Änderung: 20.05.2012