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Pressespiegel - fairkehr 01/1995

HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Ausriß aus der Zeitschrift fairkehr, Ausgabe 01/1995. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Originalheft beim Verlag anzufordern.

Fairkehr Seite 1 Fairkehr Seite 2 Fairkehr Seite 3

Tips und Technik
Die Vielfalt des Liegens

Wenn zwischen einem Hollandrad und einem Mountain-Bike ein großer Unterschied besteht, dann liegen Welten zwischen Liegerad und Liegerad. Obwohl die flachen Gefährte bisher nur in kleinen Stückzahlen gebaut werden, ist die Vielfalt enorm. Grob kann man zwei Liegeradtypen unterscheiden: besonders sportliche Fahrzeuge einerseits, sehr komfortable andererseits.

Der Typ komfortables Reise- und Alltagsrad wird meist sehr lang gebaut. Damit kommt man flott voran, aber nicht unbedingt schneller als mit einem guten, gewöhnlichen Sattelrad. Der lange Radstand sorgt für Laufruhe und gute Federung.

Street MachineWer dagegen ein schnelles sportliches Fahrzeug bevorzugt, durchaus auch für den Alltagsgebrauch, der wird sich für ein kurzes Liegerad interessieren. Hier ist die Körperhaltung noch flacher und das Tretlager liegt oft weit vor dem Vorderrad. Diese Räder sind wendiger, aber dafür ist die Lenkung auch eher unruhig. Straßenmaschinen dieses Typs sind enge Verwandte jener vollverkleideten Rekordfahrzeuge, mit denen Spitzenfahrer im Sprint weit über 100 Stundenkilometer erzielen.

Die meisten Konstrukteure versuchen verschiedene Vorzüge des Liegerades recht individuell zu kombinieren. Ein Hersteller bietet sogar ein Rad an, das sich mit einem Handgriff von einem langen schnittigen Reiserad in ein wendigeres, kürzeres und hohes Stadtrad verwandelt.

Auch einige Alltagsräder lassen sich mit Teil- oder gar Vollverkleidungen ausstatten; das sind feste Kunststoffschalen oder flexible Bespannungen. Solches Zubehör macht das Fahrzeug windschnittig und schützt gegen die Witterung.

Gepäcktransport ist an den meisten Liegeradmodellen gut möglich. Es gibt sogar regelrechte Lastenfahrzeuge unter ihnen, teils mit drei Laufrädem.

Auch wer ein Faltrad braucht, muß nicht auf den Liegeradgenuß verzichten. Einige Modelle lassen sich mit wenigen Handgriffen zusammenklappen und werden so zum handlichen Gepäckstück.

Federung

Weil Beine und Wirbelsäule in der halbliegenden Haltung als körpereigene Stoßdämpfer weitgehend ausfallen, sind die meisten Liegeräder mit mehr oder weniger aufwendigen Federungssystemen ausgestattet Zunehmend ist bei neueren Modellen nicht nur das Hinterrad gefedert, sondern beide Achsen.

Völlig verschieden sehen die Lenker von Liegerädern aus. Manche fahren sich mit ihren hohen Lenkstangen wie ein Easy-Rider-Chopper. Andere werden mit locker herabhängenden Armen unter dem Sitz gelenkt. Ein besonders innovatives Rad hat in der Rahmenmitte ein Gelenk und wird elegant, aber gewöhnungsbedürftig durch bloße Gewichtsverlagerung mit der beweglichen Sitzschale gesteuert.

Preise

Liegeradfahren ist auch eine Frage des Geldbeutels; es gibt Modelle ab 2500 Mark. Das Gros kostet zwischen 3500 und 5000 Mark, für Luxus-Rennmaschinen gibt es nach oben natürlich keine Grenzen. Bei solchen Preisen wird man sich vor dem Kauf genau über das Angebot informieren wollen (Broschüre "Liegeraddatei") und vor allem: gründlich probefahren!

Schnupperfahrt

Liegerad - liegt mir das?

Flache Flitzer sind für immer mehr Fans die ultimativen Geräte für lange Radreisen. Was ist dran am waagerechten Fahrradgefühl? Ein Annäherungsversuch.

"Gäät dat denn", erkundigt sich eine Dame in Gummistiefeln. Offenbar traut sie ihren Augen nicht, als sie unsere Vehikel vor ihrem abgelegenen Bauernhof entdeckt. Werner wechselt mit mir einen erheiterten Blick und wagt nach so wenigen Kilometern schon eine Antwort: "Jooh, dat gäät wohl!" Als blutige Anfänger sind wir zwei auf geliehenen Liegerädern im norddeutschen Plattland unterwegs.

Ein paar Stunden früher, in einem ehemaligen Kuhstall, sah das noch ganz anders aus. Aus einer Melkbox zieht Reiseveranstalter Thorsten Haase die passende Konfektionsware: "Einmal XL", präsentiert er mir das "Long Vehicle". Schon das Schieben wirft Fragen auf: Wie bücke ich mich zum tiefen Lenker, gehe ich besser neben dem Ding oder dahinter? Der Mensch ist ein Haufen ungeschicktes Fleisch. Nicht ohne anzuecken erreiche ich schließlich durch den schmalen Gang die Stalltür. Beschämend die Leichtigkeit, mit welcher der Experte das zweite Fahrzeug am Rahmen faßt und auf dem Hinterrad wie eine Karre vor sich herschiebt. Liegerad ist Gewöhnungssache, von Anfang an.

Sitz und Paßform

Drei Schraubenschlüssel, etwas Erfahrung und genaue Maßarbeit sind nötig, damit sich die prophezeihte Bequemlichkeit möglichst bald einstellt. Mindestens so sorgfältig wie bei einem normalen Sattelrad müssen Sitz und Lenkung auf die Körpermaße eingestellt werden.

Das soll nun also der komfortable Liegesessel sein, über den Freunde dieses Fahrradtyps schwärmen? Darauf soll ich wirklich bequemer fahren als auf dem wohleingesessenen Ledersattel meines Reiserades? Ich will's nicht recht glauben, zwingt mich doch die Rückenlehne so weit nach hinten, daß mir auf der Stelle die Mahnungen aller befreundeten Kranengymnastinnen zum aufrechten Sitzen einfallen. Und die Sitzfläche selbst deklariert mich als Fall für die Weight-Watchers. "Größer darf die nicht sein, sonst stört's beim Treten", erklärt unser "Fahrlehrer".

Instruktionen: erst mal entspannen, den Lenker nicht umklammern, sondern nur ganz locker die Hände drauflegen, dann richtig anlehnen und einen Fuß auf das nach oben gedrehte Pedal setzen. "Du mußt sofort kräftig antreten, weil Du Dich nicht am Boden abstoßen und auch kaum mit dem Körper balancieren kannst." Kein Problem soweit, das Fahrzeug kommt ins Rollen. In Zickzacklinien wackeln wir über den Bauernhof. Anders geht es vorerst nicht. Die Lenkung läßt sich einfach nicht stillhalten. Weil der Oberkörper nicht beweglich ist, müssen kleine Lenkbewegungen viel stärker als beim normalen Fahrrad zur Balance beitragen.

Zu gerne würde ich die auf Anhieb gelungene Teststrecke über den Bauernhof als Proberunde weiterfahren, doch die Mauer kommt immer näher und die begonnene Kurve will einfach nicht eng genug ausfallen. Je langsamer, desto kippeliger wird das Rad; dann sucht im Reflex ein Fuß den Bodenkontakt, und ein heftiger Stoß durchfährt das Bein. "Vorsicht! Das ist so ziemlich die einzige Art, wie ihr Euch mit dem Liegerad richtig wehtun könnt", warnt Haase. "Setzt niemals einen Fuß auf die Erde, ohne vorher zu bremsen. Sonst schlägt das Bein nämlich nach hinten weg und ihr macht 'nen bösen Sturz."

Binnen einer halben Stunde sind solche Sorgen vergessenen. Das Rad läßt sich fahren ohne nachzudenken und zwar bestens. Wir haben die Packtaschen angehängt doch spüren deren Gewicht kaum. Über die flachen Sandhügel der Wildeshäuser Geest gleiten wir auf asphaltierten Feldwegen in flotter Geschwindigkeit. Bald kommen wir in den gleichmäßigen, fast meditativen Tritt, den jeder Langstreckenfahrer kennt. Wir (f)liegen durch die Landschaft. Kein bißchen unbequem ist der kurze Sitz sobald die Beinarbeit das Hinterteil gleichmäßig ins Nylonnetz zurückdrückt. Der Rücken liegt großflächig auf und der Kopf ist in der Waagerechten frei beweglich. Solch einen Panoramablick erlaubt sonst höchstens das Hollandrad bergab und bei Rückenwind. Reisen im Tretkino. Während der Fahrt genießen wir ungewohnte Freiheiten: Beim Reden gelingen auch lange Sätze; nichts drückt auf dem Zwerchfell; die Landkarte läßt sich im Fahren studieren, ohne den Blick von der Straße abzulenken. Wemer frönt sogar seinem qualmigen Laster. Nur zum Kippendrehen hält er lieber an, denn freihändiges Fahren ist auf dem Liegerad nicht drin.

Im Hasbruch, westlich von Delmenhorst, lassen die Förster seit hundert Jahren einem Stückchen "Urwald" seine Ruhe. Im Winter reicht der Blick tief ins Gehölz, entdeckt abgestorbene Stämme von Buchen und Eichen, die in der grünen Jahreszeit Spechten und vielen anderen Vogelarten Behausung sind. Auch die Lebenden präsentieren sich nicht als kerzengerade Nutzholzarmee; wild gekrümmt recken sich Baumindividuen aller Altersklassen.

Der Waldweg ist aufgeweicht. Nur in kleinen Gängen geht es voran. Manchmal driftet das Vorderrad ein bißchen und das schwer belastete Hinterrad sinkt tief ein. Ich bilde mir ein, daß mit dem normalen Rad hier etwas leichter zu fahren wäre. In meinem Liegesessel fühle ich mich trotzdem sicher, habe keine Angst, im Matsch zu landen - wohl dank des tiefliegenden Schwerpunktes.

Reisekomfort

Der Körper selbst kann zwar in halbliegender Haltung die Unebenheiten dieser Rüttelstrecke kaum abfedern, aber eine Gummipufferung im Rahmen sorgt für Dämpfung. Nur wo sich "gewöhnliche" Radfahrer vom Sattel erheben und auf die Pedale stellen, bei größeren Schlaglöchern und den üblichen halb abgesenkten Bordsteinkanten an Radwegkreuzungen, rumpelt es ein bißchen. Als wir abends in Bremen aus dem Sitz steigen, wäre es auf dem gewöhnlichen Reiserad längst an der Zeit für Nacken- und Rückengymnastik. Nach einem Tag im Liegeradsessel aber möchte vor allem die Beinmuskulatur ein bißchen gedehnt werden. Denn weil Gesäß und Rücken guten Gegenhalt finden, können die Beine viel Kraft auf die Pedale stemmen, weit mehr als das eigene Körpergewicht, wenn es sein soll. Zudem melden sich beim waagerechten Treten ungeahnte Muskelpartien, vor allem oberhalb der Knie. Wir ertappen uns häufig dabei, daß wir in größeren Gängen fahren, als es dem untrainierten Fleisch gut tut.

Im Bremer Stadtverkehr sollen unsere Räder ihre Alltagsqualitäten unter Beweis stellen. Die Fahrradstadt hat für uns als Ortsunkundige und Anfänger weniger Schrecken als erwartet. Unser - auch im Vergleich zu anderen Liegerädern - sehrlanges Gefährt ist allerdings nicht sehr wendig. Lästig sind auch hohe Bordsteine: Das Liegerad läßt sich nicht wie ein anderes Rad vorne oder hinten hochreißen. Und so ein wertvolles Gefährt gnadenlos über jede Kante zu steuern, bringen wir nicht übers Herz. Das größte Problem ist jedoch - zumindest für uns Anfänger -der sichernde Blick nach hinten. Erst jetzt, da ich mich im Liegerad dazu jedesmal aufrichten muß, merke ich, wie sehr mir dieser Überlebensreflex im Stadtverkehr in Fleisch und Blut übergegangen ist. Viele Liegeradfahrer helfen sich da mit Rückspiegeln. Wir jedenfalls verspüren wenig Ehrgeiz auf einer sechsspurigen Straße in der Hauptverkehrszeit linksabzubiegen, sondern wählen stattdessen den Umweg über die Fußgängerampel.

Wie mobil das Liegerad auf langen Reisen ist, darüber entscheidet auch die Deutsche Bahn AG. An einem Provinzbahnhof stehen wir irgendwann ratlos vor dem Eilzug. Der Schaffner ist ein netter, aber ohne Gepäckwagen sieht er keine Möglichkeit die komischen langen Räder zu befördern. In den Einstiegsbereichen würden Mitreisende mühsam darüber hinwegklettem müssen. Erst der nächste Zug hat ein Gepäckabteil und Platz für uns.

Für solche Unbequemlichkeiten kann das Liegerad selbst wenig; wer sie in Kauf nimmt, wird durch besonderen Reisekomfort entschädigt. Herrlich ist die Fahrt auf dem mäandrierenden Deich der Wümme über das feuchte Blockland mit seinen vereisten Wiesen. Der Wind kommt von vorn und bringt Regen mit. Ist es dank des geringeren Luftwiderstandes wirklich so viel leichter, gegen ihn anzufahren, oder kommen wir in unserer gelassenen Körperhaltung einfach nicht auf die Idee, ihn als Gegner ernst zu nehmen? Ich verliere den Geschwindigkeitssinn, kann eigentlich nicht abschätzen, ob ich nun schneller oder langsamer fahre als auf dem hohen Reiserad. Der Regen erwischt uns von Kopf bis Fuß. Trotz der Kälte finden wir überraschend wenig dabei. Nässe ist offenbar vor allem ein Wahrnehmungsphänornen, und auf einem fahrenden Sofa gedeiht einfach kein Ärger.

Sanfte Landung

Ohnehin naß landen unsere beiden Hintern je einmal - hoppla - in einer Pfütze. Beim unkonzentrierten Nebeneinanderfahren auf dem glatt, aber recht schmal asphaltierten Radweg bleibt es nicht aus, daß ein Rad mal das Bankett touchiert. Doch wenn dort der Asphalt eine kleine Kante bildet, dann läßt sich das unbelastete Vorderrad nicht auf den rechten Weg zurückreißen. Der Boden nähert sich schneller als unsereins gucken kann, aber als Bruchpiloten fallen wir eben nicht auf die Nase, sondern rutschen nur ein Stück auf dem Allerwertesten. Aus voller Fahrt holen wir uns weder eine Schramme, noch einen blauen Fleck. Auch landen geht damit also gut.

Guido Bröer

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Letzte Änderung: 20.05.2012