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Pressespiegel - RadMarkt 09/2003

HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Ausriß aus der deutschen Zeitschrift RadMarkt 09/2003. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Original beim Verlag anzufordern.

HP Velotechnik im Radmarkt 09/2003

Der Große unter den Kleinen

Liegeradhersteller werden heute noch von vielen als verschrobene Bastler angesehen. Diese Vorstellung ist jedoch schlichtweg falsch. Schaut man sich die meistens sehr hochwertigen Produkte der Sonderradhersteller genauer an, stellt man fest, dass hier nicht nur mit Enthusiasmus, sondern genauso mit jeder Menge Sachverstand und Know-How entwickelt wird. Auch die Fertigungsqualit√§t wird h√∂chsten Anspr√ľchen gerecht. Der RadMarkt hat einen der Gro√üen aus dieser kleinen Nische besucht: HP Velotechnik.

Als Bastler sind Paul Hollants und Daniel Pulverm√ľller zum Liegerad gekommen. 1991 gingen die beiden damals 13-/14-J√§hrigen bei Jutec-Wettbewerb als Bundessieger hervor. Nachdem sie bei diesem Kabinenradprojekt bereits ein Jahr zuvor als Hessensieger gek√ľrt wurden. Durch den um sie herrschenden Medienrummel sammelten die beiden erste PR-Erfahrungen. Die Bastler erkannten rasch die Vorz√ľge der Lieger√§der: Komfort und Geschwindigkeit. Die ersten Kleinserien wurden f√ľr den Freundes- und Bekanntenkreis aufgelegt, sprengten aber bald die Kapazit√§ten der Freizeitunternehmer. So kam es (obendrein angeregt durch den ausgesprochenen Unternehmergeist der beiden) bereits 1993 zur Firmengr√ľndung.

Seitdem ist viel passiert: Durch Abschl√ľsse als Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieure haben sich Daniel Pulverm√ľller und Paul Hollants Qualifikationen erworben, mit denen sie nicht nur erfolgreich neue Modelle kreieren k√∂nnen, sondern auch f√ľr das F√ľhren einer expandierenden Firma mit zehn Mitarbeitern bestens gewappnet sind. Die Hauptaufgaben wurden mittlerweile auf Entwicklung, Endmontage, Vertrieb und Marketing konzentriert. Die Startphase von HP Velotechnik fiel in eine g√ľnstige Epoche. Zum Zeitpunkt der aufbl√ľhenden Liegeradbewegung in den USA traf der Kurzlieger "Streetmachine" als eines der ersten gefederten R√§der dieser Bauart neben den Langliegern anderer Hersteller in eine Marktl√ľcke.

Telefonisch berät Vertriebsleiter Kirk Seifert (r.) Fachhändler und Endverbraucher. Paul Hollants steht ihm dabei gerne mit gutem Rat zur Seite.

Besonders sind nicht nur Hersteller und Produkte in dieser Nische, auch die Kunden hoben sich bislang vom Durchschnitts-Trekkingradk√§ufer ab. Waren anfangs "√Ėkos" als HP Velotechnik-Kunden auszumachen, sind es heute eher wohlhabende Radler zwischen 30 und 50 Jahren, die sich das alltagstaugliche Reiserad "Streetmachine" g√∂nnen. Sie sind meist reiseerfahren, komfortorientiert und offen f√ľr technische Details. Oft sind es diese Kunden, die sich als Zweitrad zus√§tzlich eine "Spirit" erlauben. Beim K√§ufer einer "Speedmachine", dem sportlich orientierten Tieflieger, werden ausgepr√§gtes Technikinteresse, √§sthetischer Anspruch und eine gewisser Hang zum Lifestyle beobachtet. Meist sind hier Liegeradneulinge zu finden. Das alltagstaugliche "Wavey" wurde als einziges ungefedertes Rad entwickelt, um in preislicher Hinsicht eine Einsteigerkategorie f√ľr echte Lieger√§der zu schaffen.

Nach wie vor verkauft sich das "Streetmachine" am besten, jedes zweite HP Velotechnik ist eines dieser reisetauglichen R√§der. Da das "Spirit" erst 2002 in das Programm aufgenommen wurde, liegen noch keine Zahlen vor. Es kann jedoch von etwa 200 Einheiten f√ľr 2003 ausgegangen werden. Und das schlummernde Verkaufspotential dieser Radgattung d√ľrfte deutlich h√∂her liegen, so dass sich hier ganz neue M√§rkte auftun k√∂nnten. In absehbarer Zukunft, glaubt Paul Hollants, w√ľrden sich HP Velotechnik ganz neue Kundenkreise erschlie√üen, die durch innovative und nutzerfreundliche Konzepte wie das "Spirit" angesprochen w√ľrden. Die restlichen 10 bis 15 Prozent entfallen auf die Modelle "Wavey" und "Speedmachine".

Die Rahmenfertigung erfolgt in Taiwan, die vorbehandelten Rahmen werden in Deutschland pulverbeschichtet und im eigenen Betrieb montiert. Lediglich in Spitzenzeiten wird ein Teil der Montagearbeiten an CheckerPig ausgelagert. Insgesamt verlassen zirka 600 R√§der (2003:700) j√§hrlich das Werk in Kriftel. Der damit erzielte Jahresumsatz bel√§uft sich auf etwa eine Million Euro. Das erreicht ein zehnk√∂pfiger Mitarbeiterstamm, wobei Hollants und Pulverm√ľller die Gesch√§ftsf√ľhrung repr√§sentieren. Je zwei weitere Mitarbeiter werden in den Bereichen Montage und Vertrieb eingesetzt, je eine Kraft f√ľr Einkauf und Systembetreuung- und ausgebildet wird in dem kleinen Unternehmen auch.

Rahmen im Lager

Rohe, unbeschichtete Rahmen lagern neben oberflächenbehandelten. Auch Wunschfarben nach Kundenauftrag können realisiert werden.


Rahmen auf dem Weg zum Pulverbeschichter

In eigens entwickelten Transportboxen überstehen die Rahmen die Wege - etwa zwischen Pulverbeschichter und HP Velotechnik - unbeschadet.

Neben Deutschland als Hauptabsatzmarkt spielen vor allen die USA eine wichtige Rolle. Dabei sind allerdings ganz andere Produkteigenschaften gefragt als in Europa. Die R√§der werden dort ausschlie√ülich im Freizeitbereich eingesetzt. Spa√üfaktor und Komfort sind Messlatten f√ľr den Verkaufserfolg. Den unterschiedlichen Ausstattungsw√ľnschen wird durch die lange Zubeh√∂rliste Rechnung getragen. Weitere Absatzm√§rkte sind England, √Ėsterreich, die Schweiz, die Niederlande, Japan und Finnland.

Der Vertrieb l√§uft weltweit ausschlie√ülich √ľber den Fachhandel. Typische HP Velotechnik-H√§ndler sind Spezialradgesch√§fte. Neben Lieger√§dern stehen in diesen L√§den meist Anh√§nger, Faltr√§der und Tandems. Des Weiteren k√∂nnen hochwertige Reiser√§der, beispielsweise von Riese und M√ľller, Utopia oder Wanderer, das Programm erg√§nzen.

Neue Kundenkreise f√ľr das "Spirit" sind jedoch eher von gew√∂hnlichen Fahrradh√§ndlern zu erschlie√üen. Als besonders erfolgreich gelten H√§ndler mit gestrafftem Sortiment. Vor allem aber solche, die sich mit dem Produkt identifizieren, indem mindestens einer der Mitarbeiter selbst begeisterter Liegeradfahrer ist und im Verkaufsgespr√§ch etwas von der Faszination des Liegeradfahrens vermitteln kann.

Wichtige Portale, um Händler wie die Endverbraucher zu erreichen, sind neben Messen auch Events und das Internet. Werbewirksames Engagement wird bei solch außergewöhnlichen Projekten wie "Agence Future" oder "Tour d'Afrique" gezeigt.

Die Montage der Räder erfolgt im Firmensitz in Kriftel. Nur bei Engpässen wird ein Teil ausgelagert.

Besonderen Wert legt man bei HP Velotechnik auf den direkten Kundenkontakt, entstammen daraus doch zahlreiche Anregungen f√ľr Detailverbesserungen. Die eingehenden Vorschl√§ge sind gar so vielf√§ltige, dass nur ein geringer Teil davon umgesetzt werden kann. Schlie√ülich werden die Lieger√§der sehr intensiv genutzt, viele Weltreisen wurden beispielsweise mit der "Streetmachine" unternommen. Doch auch bei liegeradspezifischem Zubeh√∂r ist man bei HP Velotechnik aktiv. In Zusammenarbeit mit der technischen Universit√§t Darmstadt wurde etwa der "Streamer" entwickelt, eine modulare Frontverkleidung. Oder der Heckkoffer "Speedbag", der Gep√§ck aufnimmt und den Luftwiderstand reduziert.

In einem eigenen Lagerbereich finden sich Liegerad-Spezialteile, die über den eigenen Großhandel vertrieben wernden.

F√ľr liegeradspezifische Teile, wie etwa Bereifung, hat man in Kriftel einen Gro√ühandel organisiert, √ľber den schnell seltene Bauteile geliefert werden k√∂nnen.

Rein fachlich gesehen ist das Unternehmen nicht nur bei der Entwicklung neuer R√§der engagiert. So geben sich Pulverm√ľller und Hollants nicht mit dem Fehlen von Teststandards f√ľr Lieger√§der zufrieden.

Einschl√§gige Fahrradnormen ber√ľcksichtigen Belastungsf√§lle, wie sie bei Lieger√§dern auftreten nicht, und so will das kleine Unternehmen selbst aktiv werden. Grundlagenforschnung soll betrieben werden. Sie soll Grunddaten f√ľr einen eigenen Pr√ľfstandard liefern. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn allein die Vergleichbarkeit mit realen Schadensbildern ist dem gegen√ľber beim Normalrad durch geringere St√ľckzahlen erschwert.

Dennoch sind bei HP bereits heute Tests Standard. So werden Lenker, die oft liegeradspezifische Bauteile sind, auf einem eigenen Pr√ľfstand untersucht. Rahmen und Gabeln werden extern bei EFBe gepr√ľft.

Text/Fotos:
Jörg Kreinjobst

Zum Testen der Lenker hat man bei HP Velotechnik eigens einen Prüfstand angeschafft. Tests von Rahmen und Gabeln werden extern durchgeführt.

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Letzte Änderung: 20.05.2012