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Pressespiegel - F.A.Z. 26.04.2006
HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Ausriss aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Ausgabe 26.04.2006. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Originalheft beim Verlag anzufordern.
Wie bei Bill Gates fing alles in der Garage an
HP Velotechnik in Kriftel baut Liegefahrräder / "Sicherer und schneller als normale Räder"
Von Heike Lattka
Kriftel. Mit Bill Gates teilen die beiden Tüftler aus Kriftel zumindest den beruflichen Einstieg: In der elterlichen Garage fing alles an. Doch während der blasse Stubenhocker aus Amerika dort über neuen Computerprogrammen brütete, verfolgten die beiden 17 Jahre alten Schüler Daniel Pulvermüller und Paul Hollants andere Geschäftsideen: Sie bastelten ein Kabinendreirad, das sie auch bei strömenden Regen trocken zur Weingartenschule bringen sollte. Das Gefährt sorgte 1992 beim Wettbewerb "Jugend forscht" für Furore.
14 Jahre später ist die Geschichte der Anfänge des Unternehmens "HP Velotechnik" nur noch eine gern zitierte Anekdote. Wirtschaftsingenieur Hollants und sein Kompagnon, Entwicklungsingenieur Pulvermüller, beschäftigen in ihrem Betrieb 13 Mitarbeiter, bilden drei Lehrlinge aus und haben sich am umkämpften Markt der Fahrradhersteller mit einem ungewöhnlichen Nischenprodukt etabliert: dem Liegefahrrad. Jüngst erst stellte der hessische Fachhandelsverband der Krifteler Manufaktur die Bestnote unter allen Fahrradherstellern aus.
Die Note zwei gab es vom Verband, der besonders die hohe Produktqualität und die "herausragende Kundenbetreuung" würdigte. Dieses Lob kommt nicht von ungefähr: Die Fahrradrahmen werden zwar in Taiwan vorgefertigt, die anderen Arbeiten in der Krifteler Werkstatt geleistet. Dort riecht es nach Maschinenöl. Und vieles wird "noch von Hand gemacht", wie Hollants sagt. Jedes Rad werde nämlich nach den Vorstellungen des jeweiligen Kunden hergestellt - so wie er es beim Händler bestellt habe. 700 Liegefahrräder, die zum Teil nach Übersee geliefert würden, stammen aus Kriftel.
Wer nicht gerne radelt, weil er schnell über Schmerzen im verlängerten Rücken oder in Arm- und Handmuskeln klagt, ist mit einem Liegefahrrad bestens bedient, wie Hollants sagt und sein Produkt bewirbt. Skeptikern schiebt er am liebsten gleich eines seiner Modelle unter den Hintern, damit sie ein Gefühl für das Fahrzeug kriegen. Die exotischen Gefährte tragen Namen wie Grasshopper, Street-Machine oder Spirit, und tatsächlich gelingt der Einstieg ins Velo-Bett so unproblematisch, wie es der Hersteller verspricht: einfach bequem hinlegen und gemütlich in die Pedale treten.
Das Unternehmen baue auf den "Wohlfühleffekt". Wer ein Liegerad ausprobiert habe, fange schnell Feuer. Den hohen Fahrkomfort garantieren zwei Erfindungen aus der eigenen Werkstatt: eine neue Form von Stoßdämpfern unter dem Sattel und der "Body Link", ein nach ergonomischen Prinzipien geformter Sitz. Beide Entwicklungen haben sich die Krifteler Ingenieure patentieren lassen.
Das Liegefahrrad selbst sei eigentlich eine ganz alte Erfindung. Vor mehr als 100 Jahren lagen die Menschen viel lieber in ihren Fahrrädern, als hoch erhobenen Hauptes durch die Straßen zu fahren, wie Hollants sagt. Erst mit dem Wettbewerbssport, der sich auf das konventionelle Fahrrad konzentriert habe, sei die Liegeversion nach und nach in Vergessenheit geraten. In den achtziger Jahren habe dann aber eine Renaissance begonnen, zumal Liegeräder - wegen des geringen Abstands zum Boden - nicht nur sicherer, sondern auch schneller seien.
Wer sich den quietschgrünen Grashüpfer oder die rennrote Speed-Machine leistet - und dafür 2000 bis 3000 Euro ausgegeben hat - fällt mehr auf als mit einem neuen Sportwagen. "Schläft es sich schön?": Solche Sprüche müssten sich die Liegeradler sich schon des Öfteren von Passanten anhören, sagt Hollants. Der Hersteller ignoriert den Spott gelassen, er geht davon aus, dass er von der demographischen Entwicklung profitieren werde, weil sie ihm mehr Kunden bescheren dürfte. Gerade erst ist der Scorpion - ein liegendes Dreirad - in die Produktion gegangen, das sich auch an ältere Menschen richtet, die nicht auf Sport verzichten möchten. Die ersten Absatzzahlen scheinen erfreulich zu sein: Die Krifteler Unternehmer jedenfalls wollen expandieren, sie suchen eine 500 Quadratmeter große Werkshalle im Main-Taunus-Kreis.
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