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Pressespiegel - RadlMagazin 01/2000
HP Velotechnik im Spiegel der Medien: Der folgende Text ist ein Ausriss aus der Zeitschrift RadlMagazin, Ausgabe 01/2000. Wir empfehlen für die komplette Lektüre das Originalheft beim Verlag anzufordern.
Fahrgenuss in Rückenlage
Komfortable Liegeräder sind prädestiniert für den Reiseeinsatz. Diesen Gedanken wollte HP Velotechnik, renommierter deutscher Hersteller von Kompaktliegern, mit der Neuauflage der Street Machine Gt konsequent zu Ende denken. Hat's geklappt?
Kaum zu glauben: Als ich zur Testfahrt aufbrechen will, kuschelt da diese kleine Göre aus der Nachbarschaft mit ihrem Teddy auf dem Liegesitz der Street Machine Gt! "Ist so gemütlich", meint sie als Entschuldigung. Ich bin sprachlos.
Wenig später liege ich selbst in diesem ergonomisch geformten Rennstuhl mit Schaumstoffkissen und bin sehr angetan davon, wie "gemütlich" es sein kann, mit 30 km/h durch die Straßen zu flitzen. An der Ampel guckt mich die Porschefahrerin neidisch an: Mit dem orangefarbenen "Speedbag"-Kofferraum stehle ich ihr die Show. Freundlich lächele ich zurück, sind wir doch zumindest auf gleicher Augenhöhe.
Liegeräder haben im Stadtverkehr einen bauartbedingten Nachteil: Die geringe Sitzhöhe bringt mäßige Übersicht, die liegende Haltung wenig Blick nach hinten. Hier hilft ein Spiegel.
Ansonsten kann dieser Bolide von HP Velotechnik mit Normalos gut mithalten. Dank ausgeklügelter Geometrie und breitem Lenker ist Stop and Go sowie langsames Fahren erstaunlich einfach. Der steife Rahmen und die großzügige Schwingenlagerung lassen keinerlei Verwindung bei scharfen Antritt zu.
Mit den ausgewogenen Federelementen - die einstellbare "Ballistic"-Gabel vorne, ein hydraulischer DNM-Dämpfer namens "Torch" hinten, beide in der Vorspannung einstellbar - gleite ich über Kopfsteinpflaster wie mit noch keinem Lieger.
Ebenso einmalig verhält sich das Fahrwerk am Berg: Selbst bei harter Steigung gibt es kaum ein Einfedern der Schwinge im Tretrhytmus, sie spricht auch hier gut an, kostet somit nicht Energie, sondern spart meine Kraft.
Spritzig ist das Ding von HP Velotechnik auch, vorausgesetzt ich habe vor dem Ampelstopp die kleinen Shimano-"Ultegra"-Lenkerendschalter entsprechend bedient. Dieses schon in die Jahre gekommene Schaltsystem arbeitet so schnell und ergonomisch selbstverständlich, dass man sich fragt, warum Shimano so viel Geld in die zyklische Weiterentwicklung seiner anderen Schalter steckt.
Der "Speedbag": im Alltag eine ganz neue Dimension der Fahrradnutzung. Ob Einkauf oder Regenjacke, Skates oder Schwimmzeug; Deckel auf, Sachen rein, Deckel zu - und abschließbar ist der regendichte Behälter auch. Bis zu zehn Kilo trägt die schnelle Tasche aus Polyester. Bei mehr Zuladung gibt's allerdings schlechte bis unsichere Fahreigenschaften gratis.
Ein dicker Nachteil wird mit der Montage des Kofferraums aber in Kauf genommen: Zur Bremsjustage muss die Federbein-Halterung aufgeschraubt und die Hinterradschwinge ausgekippt werden. Und jede Neueunstellung des superbequemen Sitzes, die ansonsten fix über zwei Schnellspanner passiert, erfordert dann eine "Speedbag"-Demontage. Man sollte ihn sich also erst zulegen, wenn man die richtige Haltung gefunden hat und nicht zum Beispiel in der Stadt aufrechter als auf Reisen sitzen will.
Grün. Ich trete los, die Passanten werden zu Schaulustigen. Die knapp 20 Kilo Gesamtgewicht - der Kofferraum verbucht für sich dabei gut drei Kilo - sind gar nicht schwer in Bewegung zu bringen. Dabei hilft der Umwerfer von Suntour und das Shimano-STX-Schaltwerk, das sehr gut mit dem eng gestuften 12-32-Ritzelpaket harmoniert.
Jetzt aber raus aus der Stadt, das "GT" steht für "Gran Tourismo". Über einen holprigen Feldweg geht's ins Grüne, und das Fahrwerk zeigt noch einmal, wie gut es Komfort und Sicherheit verbindet. Solange den "Monte Carlo"-Gummis der Staub nicht zu dick oder der Schlamm nicht zu weich wird, kann nichts schiefgehen. Lediglich bei sehr schnell gefahrenen Längsrillen wir das Vorderrad flatterig. Dagegen hilft Bremsen.
Die Quartz-V-Brakes von Tektro sind vor allem vorne extrem bissig und gut dosierbar. Die Hinterradbremse ist beim Kompaktlieger weniger effeltiv, doch auch hier gibt's genügend Verzögerung und Dosierbarkeit.
Mit optionalem stabilem Lowrider, der, inter dem Sitz angebracht, die Fahreigenschaften eher noch verbessert, hat man dann auch für größere Expeditionen ausreichend Stauraum.
Die enorme Wendigkeit bleibt in jedem Geschwindigkeitsbreich erhalten, die Kehren können mir gar nicht eng genug sein: Mit der Street Machine macht auch Kurvenfinden Spaß, ein seltenes Kompliment für ein Reiserad. Die Laufruhe reicht bei einer Reisegeschwindigkeit von 30 km/h allemal aus. Zwar muss häufiger als beim guten Normal-Reiserad korrigiert werden, nervös kann man den Lieger aber nicht nennen.
Unser Testrad was mit einer kompletten, starken Lichtanlage ausgestattet: Ein SON-Nabendynamo mit nur erahnbahrem Eigenwiderstand, B&M-"Lumotec"-Frontstrahler mit Schalter und das "Toplight", beide mit Standlicht und doppelt verkabelt.
Die Liste für optionales Zubehör von HP ist lang, doch sollte man vielleicht zuerst einmal Geld zählen: In unserer Alltagsausstattung kostet die Street Machine Gt bereits 4127,60 - plus Speedbag, der noch einmal 690 Mark abverlangt.

Tipp: Eine "gemütliche" Probefahrt macht die Entscheidung leichter.
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