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Press room - F.A.Z. 24.08.1999
HP Velotechnik in the news: the following text is an excerpt from the German newspaper Frankfurter Allgemeine Zeitung, published on August 24th, 1999. We recommend to order the complete magazine from the publishing house to read the whole story.
Reisen mit zum Radeln hochgelegten Beinen
Schnelligkeit für Vielfahrer: Das vollgefederte Kurzliegerad Street Machine GT von HP Velotechnik
Das Liegerad an sich flößt vielen Betrachtern noch immer Skepsis ein. Wenn man an den Probierstrecken der Fahrrad-Messen beobachtet, auf welchen Liegerädern ohne große Umstände Platz genommen wird und welche eher Schwierigkeiten bereiten, dann gibt es offenkundig drei Ausschlusskriterien: Ein Liegerad für den Ungeübten sollte nicht zu kurz sein, es sollte kein Tretlager in Höhe des Sitzes oder gar darüber haben, und es sollte nicht unten in der Gegend der Sitzfläche gelenkt werden.
Nach allen drei Gesichtspunkten wäre das Street Machine GT von HP Velotechnik in Kriftel (Telefon 0 6192 / 4 10 10, Fax 9102 18, Internet www.hpvelotechnik.com) kein Rad für den Umsteiger: Radstand 1,04 Meter, Tretlagerhöhe 70 Zentimeter, 10 Zentimeter höher als der Sitz, und dazu ein Untenlenker (hoher Lenker gegen Aufpreis).

Aber das kurze Rad für Vielfahrer (Grundpreis rund 3300 Mark) ist so bequem und lässt sich so einfach fahren, dass man gerade die Verächter des Liegerads auffordern möchte, es mit diesem Modell zu versuchen. Wer den Behauptungen misstraut, dass Liegeräder schnell, aber auch bergtüchtig -in diesem Fall mit Entfaltungen zwischen 8,36 und 1,85 Meter - sein können, dass sie durchaus wendig und bestimmt sicher sind, kann sich von alledem durch diese Ingenieursleistung überzeugen lassen.
Denn das Rad aus Kriftel bei Frankfurt - hier findet in einem früheren Bauernhaus die Entwicklung und Endmontage statt -ist keine Bastelei von Liegeradspinnern, sondern das stetig weiterentwickelte Modell einer ausgereiften Konstruktion. Und das GT der Typenbezeichnung ist bei diesem Reiserad der besonderen Art nicht nur eine Verzierung.
Gut, es gibt einige Punkte, in denen man sich umgewöhnen muss: Das betrifft zum Beispiel das Ergreifen, Festhalten, Rangieren und Schieben des Rads. Das Aufsitzen von vorn und das Anfahren mit dem richtigen Pedal am Druckpunkt in oberer Position sind Grundfertigkeiten, die sich schon anders einschleifen müssen, als man es vom herkömmlichen Fahrrad her gewöhnt ist. Aber diese gattungstypischen Umstellungen haben nichts mit diesem einen Liegerad zu tun.
Das Street Machine GT hat ein leicht geschwungenes Hauptrahmenrohr aus pulverbeschichtetem 25CrMo4-Stahl, in dem vorn der Tretlagerträger verschiebbar sitzt, sodass sich der insgesamt 4,2 Kilogramm wiegende Rahmen Fahrern mit einer Körpergröße zwischen etwa 1,62 und 2 Meter (entsprechend einer Länge über alles des Rads zwischen 1,70 und 1,95 Meter) anpassen lässt.
Der mit Schnellspannern befestigte Kunststoff-Schalensitz, den es in drei Größen gibt, hat eine Neigung von 35 Grad, die man mit zwei Handgriffen um jeweils 5 Grad vergrößern und mindern kann. Die knapp anderthalb Zentimeter dicke Auflage aus EVA-Schaum kann in der warmen Jahreszeit gegen eine luftigere ausgetauscht werden. Die Neigung der 60 Zentimeter hohen Sitzfläche, die etwa die Blickhöhe wie aus einem Kleinwagen beschert, ist ein annehmbarer Kompromiss: Der erfahrene Liegeradler wird sich vor allem außerhalb von Orten die Lehne noch windschnittiger einstellen, der Novize reckt - zumal im City-Verkehr - häufig den Hals.
Das Hauptrohr wird durchdrungen vom Steuerrohr, das in der Basisversion die Federgabel Ballistic XL-45011 (Stahlfeder und Elastomer, Vorspannung einstellbar, Federweg 40 Millimeter) aufnimmt und den nach hinten gerichteten Vorbau des inzwischen auf 58 Zentimeter verbreiterten Lenkers aufnimmt. Der bewegt sich unter der Vorderkante des Sitzes hindurch - eine von mehreren Stellen, wo es an dem Liegerad ganz eng zugeht.
Die Federgabel lässt sich gegen andere tauschen: die XL600AC mit hydraulischer Dämpferpatrone oder die Pro950AII, die eine Scheibenbremse vorn zulässt.
Ähnlich lässt sich auch die Hinterradfederung den Ansprüchen (und dem Gewicht) des Street-Machine-Piloten anpassen, wie überhaupt die Liste der Möglichkeiten, ein paar Hundertmarkscheine mehr in dieses Fahrzeug zu investieren, eine kompakt bedruckte Seite lang ist.
Serienmäßig ist hinten die einstellbare Vorspannung des hydraulisch gedämpften Federelements (85 Millimeter Federweg). Anpassbare Zug- -und Druckstufendämpfung gibt es gegen Aufpreis.
"No Squat" nennen Paul Hollants und Daniel Pulvermüller die Konstruktion der Hinterradfederung: Das Doppeldreieck des Hinterbaus ist als Ein-Gelenk-Schwinge auf einer breiten, 20 Millimeter starken Achse aus Aluminium gelagert, die in selbstschmierenden Teflon-Gleitlagerbuchsen gehalten wird.
Die über mehr als zwei Drittel der Fahrzeuglänge durch Teflonhülsen herangeführte Kette passiert von der Leitrolle unter dem Sitz nur wenig abgelenkt in ganz geringem Abstand den Drehpunkt der Schwinge. Das minimiert den so genannten Pedalschlag: Ein- und Ausfedern sind nicht als plötzlicher Zug und genauso unvermitteltes Nachgeben der Kette spürbar, ein machtvolles Antreten wird in Vortrieb und nicht in ein Einfedern des Hinterbaus umgesetzt, mehr oder weniger rhythmischer Kraft- und Körpereinsatz beim Fahren baut keine Schwingungen auf, wie man sie von vielen gefederten Hinterbauten kennt.
Weil das Street Machine GT von solchen Unarten verschont bleibt, kann die Hinterradfederung das tun, wofür sie eigentlich da ist: feinfühlig ansprechend Unebenheiten unter dem lässig zurückgelehnt nach vorn tretenden Radler wegzubügeln.
Ein wunderbar bequemes Schnellfahr-Rad ist das. Das können sich viele, die immer noch halb belustigt und halb schadenfroh herübergaffen, wenn sie eines Liegerads ansichtig werden, nämlich gar nicht vorstellen - Ihre ins Gesicht geschriebenen Fragen "Na, kippt er um?" oder "Kriegt er das Vehikel in Gang?" sind nicht die Sorgen dessen, der damit unterwegs ist. Man macht sich eher Gedanken darum, ob man nicht viel zu geschwind in die nächste Kreuzung rauscht und viel zu schlecht zu sehen ist auf einem der üblichen straßenbegleitenden Radwege.
So schnell, wie dieses Rad ist, hat man nur ein müdes Lächeln für alle übrig, die sich mit einem Zossen herkömmlicher Bauart auf ein Rennen einlassen, das sie nicht gewinnen können. Dass man sein Street Machine auf geradezu brutal kurzen Strecken zum Stehen bringt, dafür sorgen die Magura-Hydraulikbremsen (rund 250 Mark Aufpreis).
Wir haben das Rad, so wie es auf der Zeichnung zu sehen ist, mit dem vollgefederten Gepäckträger - an dessen Stelle es einen veritablen Kofferraum als Zubehör gibt - und mit den Low-Ridern benutzt. Sein Gepäck unter sich zwischen die Räder zu hängen mag für den Schwerpunkt Vorteile haben - die Taschen sollten, dann aber auch gut staubdicht schließen. Den Fahrer kann man vor Unbill von Wind und Wetter mit dem Streamer, einer durchsichtigen und windschlüpfigen Verkleidung (mit Befestigung: 650 Mark), schützen.
Hans-Heinrich Pardey / F.A.Z.-Zeichnung: Kaiser
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